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Das Simplicity Prinzip: Ganz einfach zu Leichtigkeit, Raum und Entspannung finden (LebensLiebe Folge 6)

January 31, 2018

 

In dem Blog über Simplicity – Einfachheit lernst du…

 

… wie durch Teilen ganz neue Bande zu anderen Menschen entstehen können;

…wie du durch einfach mal Entrümpeln mehr Raum für Dich schaffst;

… wie einfach mal Lächeln dein Ich erstrahlen lässt.

 

Wie schön, dass du da bist und dir die Zeit nimmst, mir mir gemeinsam über Simplicity nachzudenken.

 

Einfachheit – was ist das eigentlich?

 

Es gibt in der Wissenschaft ein Simplicity Prinzip, das in Disziplinen wie der Informatik, Mathematik, Programmierung und Entscheidungstheorien angewandt wird. Dieses Gesetz heißt übrigens auch Occam’s Razor und es besagt, dass der Geist die einfachste, mögliche Interpretation einer Beobachtung in der realen Welt wählt. Wir handeln und entscheiden entsprechend der einfachsten Option, die in unserem Kopf aufgrund einer bestimmten Situation entsteht. Zur Folge entstehen Minimierungen davon, wie wir die Welt wahrnehmen und möglicher Ausmaße unserer Entscheidungen. Letzten Endes ist die einfachste Entscheidungsoption nach diesem Gesetz auch die Beste.

Ich vermute, die Anwendung des Simplicity Prinzips funktioniert bei uns auch deshalb, weil unser Gehirn konstant überlastet ist. Wir denken viel, uns umgeben in jedem Moment 1000 Eindrücke. Nur ganz selten kommen wir zur Ruhe und können wirklich den Raum in unserem Kopf schaffen, den wir brauchen.

 

Meine ehrliche Überzeugung ist, durch Einfachheit entsteht Entspannung, Raum und Leichtigkeit.

 

Entspannung durch Einfachheit

 

Henry David Thoreau war ein amerikanischer Reisender auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Diese Suche hat ihn in die Wälder Massachusetts gebracht, wo er zwei Jahre lang in einer selbst gebauten Hütte lebte. Um dem Leben näher zu sein, hat Thoreau mit 27 Jahren entschieden, in den Wald zu gehen und sich Zeit für seine Gedanken zu nehmen. Das Resultat seiner Auszeit im Wald ist ein wundervolles Buch namens „Walden oder Leben in den Wäldern“, das manche als den ultimativen Guide zu einem glücklichen Leben erklären. Das Buch fasst viele von Thoreaus Erkenntnissen über die Einfachheit zusammen.

 

Eines der schönsten Zitate daraus:

 

“Every morning was a cheerful invitation to make my life of equal simplicity, and I may say innocence, with Nature herself.” 

 

Jeder Morgen war eine fröhliche Einladung das Leben ebenso einfach und unschuldig zu gestalten wie es die Natur selbst ist.

 

Thoreau hat abseits der Gesellschaft im Wald Zeit für sich gefunden. In seiner selbst gebauten Blockhütte wurde ihm bewusst, wie viel Raum zum Denken im einfachen Leben entsteht. Thoreau bekam dort auch die Chance sich mit sich selbst und der Natur zu verbinden. In dieser Verbindung hat er Antworten für den Grund seines Daseins gefunden.

 

Ich spreche oft mit Menschen über den Sinn des Lebens. Dabei fällt mir nicht selten auf, dass sich viele diese Frage gar nicht stellen. Und ich finde das eigentlich gar nicht so schlecht. Ich habe jahrelang darüber gegrübelt und dank meines wissenschaftlichen Backgrounds auch ehrlich geglaubt, dass es einen bestimmten Weg gibt, den man gehen kann – vielleicht sogar muss, um auf den Sinn des Lebens zu treffen.

 

Heute glaube ich, dass wir nicht alles über Denken und strategische Prozesse steuern können. Stattdessen sollten wir es uns vielleicht einfach mal einfach machen und uns auf das wesentliche – das einfache besinnen.

 

Ähnlich wie von Thoreau im Jahre 1865 hören wir auch heute von Aussteigern, die in der Wildnis leben oder Menschen, die sich autarke – also selbst versorgende - Häuser in der Natur bauen. All das ist der Ausdruck des tiefen Wunsches, sich von der Lautstärke der Gesellschaft zu entfernen, um mehr auf sich selbst und auf sein Inneres hören zu können. Denn neben der Zeit zum Denken, scheinen viele Natur-verbundene Menschen auch noch etwas zu finden: Die Stille. Ich erinnere mich an den Bericht einer jungen Frau, die seit Monaten durch die Wälder Kanadas zieht. Anfangs war die Stimme in ihrem Kopf unglaublich laut. Sie fand keine Ruhe und fühlte sich oft erschlagen von den kreisenden Gedanken. Doch über die Zeit konnte sie einen Gedanken nach dem anderen loslassen bis Stille in ihren Kopf und ihren Körper einkehrte. In anderen Worten, sie hat durch ihr einfaches Leben in Verbundenheit mit der Natur Entspannung gefunden.

 

Ganz viel Lautstärke im Kopf entsteht auch durch Sätze, die mit „Du musst…“ anfangen. Du musst bestimmte Dinge haben, erreichen, schaffen, …. Du musst jemand sein, der in das System, in den Rahmen und in das Verständnis der Allgemeinheit passt.

 

Vermutlich ist dieses „du musst“ heute nicht unbedingt lauter als es früher war. Immerhin haben die Geschichten von Thoreau schon im 19. Jahrhundert die Menschen bewegt. Sie inspiriert auch heute dazu, die Konsumgesellschaft zu überdenken. Was darum vielleicht wirklich aktuell ist, ist die Frage:

 

Wie viel brauchen wir von dem was wir haben? Wie viel von unserem Besitz macht uns glücklich?

 

Less is more:  Sharing economy

 

Wir leben in einer Zeit, in der die Sharing Economy ein Teil des Alltags geworden ist. Nachhaltigkeit und umweltfreundliches Handeln sind fast erwartet.

Die Sharing Economy ist aus der Grundidee entstanden, dass wir alle Dinge besitzen, die wir eigentlich nicht die ganze Zeit nutzen. Das Auto ist dafür ein gutes Beispiel. Vielleicht besitzt du ein eigenes Auto, vielleicht aber bist du auch Nutzer eines Car Sharing Angebots. Wer ein Auto besitzt, weiß, es fallen regelmäßig Kosten für Versicherung, Service, Tanken etc. für ein Gut an, das wir nicht unbedingt ständig nutzen. Oft steht das Auto in der Garage oder auf dem Parkplatz, wenn man in der Stadt lebt, steht das Auto auch mal mehrere Tage. Die fixen Kosten müssen trotzdem getragen werden. Als Nutzer von Car Sharing Angeboten hat man den Vorteil, nur für die Fahrzeit selbst zu bezahlen. Wenn man nicht fährt, fallen auch keine Kosten an.

Die Sharing economy basiert auf dem Teilen von Gütern, die wir brauchen, aber eben nicht die ganze Zeit. Digitale Medien wie Apps und soziale Netzwerke machen das Teilen einfach und langfristig profitieren alle davon. Man muss weniger Geld investieren, bleibt flexibel und was noch schöner ist, irgendwie ist man Teil einer Community, die sich auch über die Bedeutung von Teilen und ihrem Mehrwert für uns alle bewusst ist. Gleichzeitig hilft die Sharing Economy auch sich die Frage zu stellen: Was brauche ich wirklich? Brauche ich ein Auto oder reichen mir vielleicht öffentliche Infrastrukturen und Sharing Angebote?

 

Natürlich ist es dabei wichtig zu unterscheiden, ob ich auf dem Land oder in der Stadt lebe. Ich tue beides und mein Berliner Ich würde ganz klar sagen: Eigentlich brauchst du in der Stadt kein Auto. Aber wenn ich auf dem Land bin, bin ich immer sehr dankbar für die Flexibilität, die mir das Auto gibt und nicht der öffentliche Nahverkehr. Daran sieht man auch deutlich: Was und wie viel man braucht, ist auch abhängig von den Orten, an welchen wir leben. Und doch würde ich behaupten, schon allein der Gedanke des bewussten Teilens erinnert uns daran, was wir wirklich brauchen und was wir vielleicht auch gemeinsam mit anderen erwerben, teilen und pflegen können. Dadurch entsteht ja auch eine ganz wunderbare Chance, mit anderen in Kontakt zu treten und einfach mal so auszuhelfen und gegenseitig die Qualität unseres Lebens zu verbessern.

 

Tipp 1: Überdenke doch mal deine Einstellung zum Teilen. 

 

Wie viel von deinen Alltagsgütern brauchst du wirklich? Welche kannst Du durch eine Form des Teilens mit anderen genauso gut nutzen? Vielleicht entstehen dadurch ganz neue Möglichkeiten mit anderen zu interagieren oder anderen einen Gefallen zu tun.

  

Der Jäger und Sammler in uns

 

Wir stammen vom Jäger und Sammler ab. Die Menschheit ist erwachsen aus dem Sammeln von Dingen, um möglichst hohe Bequemlichkeit zu schaffen. Zu Anfang war das Jagen und Sammeln ein Überlebensmechanismus. Jagen zum Essen und sich wärmen. Sammeln, um die Höhle und Hütte für das Überleben mit Werkzeugen etc. auszustatten. Auch heute gehört das Erjagen von schönen und nützlichen Dingen für unsere Höhle zu unserem Alltag. Oft aber geht das Sammeln in ein Horten über, das mehr belastet als erfüllt.

Ich führe ganz oft Gespräche über dieses Besitzen und Haben, bei welchen ich immer wieder mein eigenes Erstaunen merke. Denn im Gegensatz zu anderen Menschen habe ich ständig das Gefühl zu viel zu haben. Volle Schubladen in meinem Wohnzimmer erschlagen mich, ein voller Kühlschrank löst Angst in mir aus, dass die Lebensmittel schlecht werden könnten und ein zu voller Kleiderschrank verwirrt mich. Ich habe auch eine Ahnung, woher diese Gefühle kommen.

Denn ich stamme aus einer Familie der Jäger und Sammler. Bei uns zu Hause wurde das, was wir uns leisten konnten immer sehr wertgeschätzt. Die kleinen Schätze meiner Kindheit waren etwas besonderes und irgendwie war auch immer klar, dass Besitztümer nicht vom Himmel fallen.

 

Was mich in Bezug auf Einfachheit auch sehr geprägt hat, waren meine vielen Auslandsaufenthalte. 

Ich habe mich immer dazu angehalten, mit leichtem Gepäck an neuen Orten anzukommen. Und vor jeder Abreise habe ich meine Wohnung entrümpelt und Vieles mit dem Gedanken abgegeben: „Danke, dass du mich begleitet hast. Aber nun lasse ich dich gehen.“ Das hat unglaublich erleichtert.

Angekommen an dem neuen Ort, habe ich natürlich zu Anfang das eine oder andere Utensil des Alltags vermisst. Aber ich habe auch den Raum, der dadurch entstanden ist, sehr wertgeschätzt.

Als ich vor zwei Jahren mit zwei Koffern in Kalifornien angekommen bin und auch nach dem Auspacken der halbe Schrank und die Kommode in meinem Zimmer leer blieben, war ich richtig aufgeregt. Da war plötzlich so viel Raum für neue Ideen, Gedanken und ein neues Ich.

 

Ich glaube, volle Schubladen, Schränke und Regale erschlagen mich, weil sie mir wenig Raum geben, mich zu entfalten. Wenn jeder Winkel deines Lebens gefüllt ist, wo hast du noch Platz für dich selbst? Für dein ich von morgen? Wo kannst du dich noch neu erfinden?

 

Tipp 2: Entrümple einfach mal deinen Kleiderschrank

 

Schaff Platz für dein Ich von morgen. Schau dich in deiner Wohnung um und frage dich bei dem einen oder anderen Element, das dort steht: Was löst dieses Objekt in mir aus? Freue ich mich noch darüber oder fühle ich eine Schwere? Wenn du Schwere fühlst, bist du vielleicht bereit dich von dem Objekt lösen.

 

Ganz wichtig: Entrümpeln muss nicht gleich wegwerfen sein! Vielleicht organisierst du einen Tauschbasar mit deinen Freunden zum Tausch der aussortierten Kleider und Objekte. Du kannst Dinge auch online verschenken und eine ganz fremde Person glücklich machen.

 

Ehrliche Freude für die kleinen Besitztümer

 

Ich bin 33 und viele meiner Freundinnen habe kleine Kinder. Auch in unseren Gesprächen unter Freundinnen kommen wir oft auf Besitzen und Simplicity.

Als Kind vom Lande habe ich früher viele Spaziergänge unternommen. Die ersten Blüten im Frühjahr waren immer ein wunderbares Zeichen für das neue Leben, das um uns wächst. Manchmal habe ich dann einen kleinen Stein vom Wegesrand mitgenommen, der bis vor kurzem noch vom Schnee bedeckt war. Als Kind sind solche Handlungen selbstverständlich.

Je länger ich in der Stadt gelebt habe, desto weniger habe ich an die Steine gedacht. Aber noch heute liegt auf meinem Schreibtisch ein Stein, der mich an eine meiner größten Bergtouren erinnert.

Die erste Kastanie im Herbst sammle ich noch immer. Für mich ist diese erste Kastanie ein Glücksbringer. Sie erinnert mich an die Schönheit des Jahreswechsels, wenn die Erde plötzlich nach Pilzen und Ende riecht und die bunten Bäume die ganze Landschaft verändern. Diese Zeichen der Verbundenheit mit der Natur bereiten mir riesige Freude.

Thoreau sagt, dass er im Schoss von Mutter Natur sich selbst begegnet ist. Wir alle leben als Teil der Natur. Sie schenkt uns so vieles. Einfach so.

 

Wenn ich nun mit den jungen Müttern spreche, unterhalten wir uns oft über diese kindliche Freude des Entdeckens. Die Frage die dabei auch im Raum steht ist, wie viel gibt man seinen Kindern? Wie viele Spielsachen, wie viele elektrischen Geräte brauchen sie? Was wir dabei im vertrauensvollen Gespräch immer wieder merken: Eine der größten elterlichen Freuden ist es, die Welt mit ihren Kindern zu entdecken und kleine Schätze wie einen Kiesel oder eine Kastanie aus Kinderaugen zu sehen.

 

Auch das ist Einfachheit: Einfach Schönheit in dem Entdecken, was uns jeden Tag umgibt. Einfach mal einen Kieselstein aufheben und sich über seine Form freuen, oder eine Kastanie als Glücksbringer in die Hosentasche packen. Für mich ist das auch ein Zeichen von Leichtigkeit – ein Zeichen von Befreiung. Als Kind lässt man sich so leicht auf die Wunder am Wegesrand ein und nimmt sich die Zeit – ohne weiter darüber nachzudenken – sich der Faszination hinzugeben.

 

Tipp 3: Konzentriere dich auf die kleinen Geschenke, die dich jeden Tag umgeben.

 

Höre dabei in dich hinein. Fühlst du das Funkeln, die Freude und das Glück? Brauchst du noch mehr oder bist du vielleicht gerade einfach zufrieden?

 

Einfach mal lächeln

 

Einfachheit schafft Entspannung, Raum und Leichtigkeit.

 

Wir haben heute von Trends wie dem Aussteigertum, der Sharing Economy, aber auch einem ewigen Trend, dem Kindsein, gesprochen. Für mich steckt in all dem auch das, was einfaches Design ausdrückt: Wir machen es uns ein wenig einfacher.

Wer heute großen Unternehmern wie Elon Musk zuhört, wird auch in seiner Design-Idee des elektrischen Autos für jedermann Simplicity finden. Elon Musk will, dass ein Tesla über einen Knopfdruck für jeden Fahrer zu erschliessen und zu fahren ist. Das Gleiche kennen wir auch von heutigen Smartphones. Statt lange eine Bedienungsanleitung zu lesen, drücken wir auf den Startknopf und im Optimalfall können wir sofort loslegen unser neues Handy mit allen Daten des alten Handys zu nutzen. All das steht für Simplicity – Einfachheit!

 

Die Tipps von heute:

 

Tipp 1: Einfach mal teilen: Was könntest du einfach mit anderen teilen und so vielleicht ganz neue Menschen kennenlernen?

 

Tipp 2: Entrümple deinen Kleiderschrank oder deine Wohnung und geniesse den Raum, der für dein Ich von morgen entsteht.

 

Tipp 3: Konzentriere dich auf die kleinen Geschenke, die dich jeden Tag umgeben. Finde Leichtigkeit in der Freude darüber.

 

Das schönste in der Einfachheit ist doch, dass wir uns die Chance geben, uns ein wenig mehr mit uns selbst zu verbinden.

Ich bin dir sehr dankbar, dass du dir heute die Zeit für Einfachheit genommen hast. Vielleicht können wir auch gemeinsam anderen inspirieren, Einfachheit zu umarmen und so leichter und entspannter zu werden.

 

In diesem Sinne: Lebt ein wenig. Liebt ein wenig. Lacht ein wenig. Und geniesst das Wissen, dass das Leben einfach so schön sein kann.

 

Mit ganz viel Liebe und Dankbarkeit.

 

Love and light***

Martina

 

 

Hier noch ein paar spannende Links:

 

In Thoreau’s footsteps

Ein Artikel, der schöne Einblicke in Thoreau`s Einsichten aus dem Wald und das Führen eines glücklichen Lebens gibt.

 

The simplicity principle in perception and cognition 

Ein wissenschaftlicher Artikel über Occam`s Razor – das Simplicity Prinzip.

 

Und hier der Link zum Podcast.

 

 

 

 

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